Hundefotografie – Teil II

November 16, 2013
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in Dogs

In meinem allerersten Artikel hier im Blog habe ich mich ausführlich über die Hundefotografie ausgelassen – speziell die Fotografie von Hunden in Bewegung. Seitdem ist viel passiert und mein Fokus liegt mittlerweile auf anderen Motiven.
Trotz allem – und weil ich meinen Hund einfach wunderschön finde – versuche ich mich doch immer wieder auch mal daran, meinen Hund vernünftig in Szene zu setzen. Und trotz allem ist es immer noch schwierig. Dennoch will ich diesen Artikel dazu nutzen, ein paar aktuellere Bilder zu zeigen.

Grundsätzlich bleibt es bei den Empfehlungen, die ich bereits im ersten Artikel formuliert habe und noch um einige weitere ergänzen möchte. All diese Empfehlungen gelten hauptsächlich für das Fotografieren mit natürlichem Licht – draußen in der Natur.

Augenhöhe: Schmeiß dich in den Dreck

Das wichtigste bei der Fotografie von Tieren (und auch Menschen) ist: Auf Augenhöhe fotografieren! Fotografiert man von oben herab, ergibt dies mitunter merkwürdige Verzerrungen in den Proportionen des Motivs. Darüber hinaus fehlt die Nähe zum Motiv – das Bild wirkt distanziert und unzugänglich. Gerade beim eigenen Haustier will man gerade das ja nun nicht ausdrücken.
Wenn man diesen Effekt also nicht gerade als Stilmittel einsetzen will, sollte man sich schon etwas in Bewegung setzen. Gerade bei Tieren (und vor allem bei noch kleineren Hunden als meinen) reicht es da oftmals nicht, einfach nur in die Hocke zu gehen. Da darf man keine Angst davor haben, sich dreckig zu machen. Da muss man auch mal richtig runter auf den Boden.

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Der Vorteil am „liegend fotografieren“ ist, dass man sich dabei abstützen kann. Das ist insbesondere bei den längeren, lichtstarken Objektiven schon mal hilfreich und verhindert das Verwackeln der Kamera/verhilft zu einer ruhigeren Kameraführung.

Verschlusszeit: Schneller ist besser

Da Hunde für gewöhnlich in Bewegung sind, sollte man mit einer schnellen Verschlusszeit arbeiten (das gilt übrigens nicht nur für die Hundefotografie, sondern generell für Motive in Bewegung (Tiere, Kinder, Autos etc.)). Eine zu geringe Verschlusszeit führt zu Bewegungsunschärfen – die, wenn sie gekonnt eingesetzt werden, schön sein können, aber nicht, wenn es, wie in den meisten Fällen, „aus Versehen“ entstehen.

Für wirklich scharfe Action-Fotos arbeite ich daher mit einer Verschlusszeit ab 1/1000s – bei Portraits vielleicht so um die 1/500s.

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Bei schlechten Lichtverhältnissen ist das natürlich nicht so einfach, weil zugleich ein zu hoher ISO-Wert vermieden werden sollte. Welcher Wert letztlich zu hoch ist, hängt von der Kamera und ihrem Rauschverhalten ab. Generell gilt, dass man eine Balance zwischen „schneller Verschlusszeit“ und „geringer ISO“ mit Hilfe der Blendeneinstellung schaffen muss. Ich selbst verwende meist eine Blende von 4 bis 5.

Fokus: Immer schön auf die Augen

Bei der Hundefotografie sollte man im besten Fall den Servo-AF der Kamera nutzen (bei der Pentax AF-C). Dabei handelt es sich um einen Autofokus-Modus, der hauptsächlich in der Sportfotografie, also für bewegte Motive, eingesetzt wird. Dieser Modus gewährleistet, dass der Fokus sich permanent auf das Motiv einstellt und es somit kontinuierlich scharf stellt. Läuft der Hund also direkt auf die Kamera zu, ermöglicht der Servo-AF die kontinuierliche Scharfstellung trotz der Bewegung des Motivs.

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Das schwierigste ist, den Fokus dabei konstant auf die Augen zu legen. Die Augen sind es jedoch, die in erster Linie scharf gestellt sein sollten – nicht die Ohren, nicht die Füße und nicht der Schwanz. Die Augen. Leider gelingt mir dies nicht immer, was zum einen am Kontrast-AF der Kameras im Allgemeinen liegt und zum anderen am recht großen Fokusfeld der Pentax-Kameras im Speziellen.

Zur Erklärung: Der Kontrast-AF sucht sich zur Scharfstellung des Motivs immer den nächsten/ersten Kontrast-Punkt innerhalb des gewählten Fokusfeldes – im besten Falle also die dunklen Augen meines Hundes. Bei dem eher großen Fokusfeld der Pentax-Kamera kann es aber nun passieren, dass die Nase sich ebenfalls in diesem Feld befindet. Da die Nase vor den Augen liegt wird sie dann von der Kamera als erster Kontrastpunkt erkannt und scharf gestellt.
Die Kontrastfelder der Canon- und Nikon-Kameras sind jedoch ein bisschen kleiner und sorgen somit für etwas mehr Treffsicherheit.

Bildaufbau: Die Mitte ist nicht immer golden

Die häufigsten Anfängerfehler werden meiner Meinung nach im Bildaufbau gemacht. Das Motiv wird mittig platziert, wird von oben herab fotografiert, einzelne Körperteile werden undurchdacht abgeschnitten und im Hintergrund befinden sich ablenkende Nebenelemente. Das alles sind klassische Merkmale eines Schnappschusses. Für ein hochwertigeres und durchdachteres Bild sollte man ein paar einfache Regeln beachten:

Positionierung:
Anfangs positioniert man das Motiv meist mittig im Bild. Dies führt allerdings häufig dazu, dass dem Bild Spannung fehlt. Daher ist es sinnvoll zu Beginn den goldenen Schnitt zu beachten – bzw. die daran angelehnte Drittel-Regel: Bei dieser Regel schneidet man das Bild gedanklich in neun Teile, indem man zwei waagerechte und zwei senkrechte Linien zieht. Das Motiv wird nun an einem der vier gedanklichen Schnittpunkte platziert oder auch längs einer Linie.

Das heißt nicht, dass die Drittel-Regel ein Garant für gute Bilder ist. Eine mittige Positionierung ist nicht verboten. Ebenso wenig ist die Positionierung am Rand oder in den Ecken verboten. All dies sollte aber bewusst und überlegt als Stilmittel eingesetzt werden. Da dies gerade am Anfang schwer zu beurteilen ist und man in dieser Phase auch noch genug damit zu tun hat, auf die korrekte Belichtung, Schärfe und Fokuspunkt zu achten, lohnt es sich, vorerst auf die Drittel-Regel zurückzugreifen.

Darüber hinaus ist es wichtig auf die Blickrichtung des Motivs zu achten. Für ein harmonisches Bild sollte in Blickrichtung möglichst nicht zu eng beschnitten werden:

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Aber auch hier gibt es kein allgemeingültiges Gesetz. In einigen Fällen ist es durchaus spannend, wenn mit der Blickrichtung gespielt wird – aber auch hier zählt Übung und Erfahrung.

Beschnitt:
Eine weitere Herausforderung für Anfänger ist der richtige Beschnitt des Bildes. Oftmals sieht man Bilder, bei denen ein Stück vom Schwanz oder Fuß des Tieres abgeschnitten ist. Hier muss man sich entscheiden: Ganzkörper-Foto oder Portrait. Will man den Hund im Ganzen fotografieren, sollte man auch nichts abschneiden. Will man ein Portrait fotografieren sollte man genug abschneiden. Ein Bild, bei dem der Schwanz und ein Stück vom Fuß abgeschnitten ist, ist noch kein Portrait. Dieses Bild ist aber auch kein Ganzkörper-Foto mehr. Es einfach nichts halbes und nichts ganzes…

Hintergrund:
Bei all den Dingen, die beim Fotografieren zu beachten sind, vergisst man leicht den Hintergrund. Dieser ist aber ein wichtiger Bestandteil des Bildes und sollte nicht außer Acht gelassen werden. Vor allem ist es sinnvoll, ablenkende Elemente im Hintergrund zu vermeiden. Das können Linien sein, die das Bild zerschneiden oder farbintensive Nebenmotive, die vom Hauptmotiv ablenken. Ein harmonischer Hintergrund macht das halbe Bild aus – das kann ein schöner verschneiter Wald sein oder auch eine grüne Wiese. Wichtig ist nur, dass das Hauptmotiv und der Hintergrund miteinander arbeiten: zum Beispiel weil das Hauptmotiv in den Hintergrund eingebettet wird oder der Hintergrund das Hauptmotiv unterstützt und nicht davon ablenkt.

Gegebenenfalls macht es Sinn, den Hintergrund „auszublenden“ indem man mit einer eher geöffneten Blende arbeitet – so wird der Hintergrund weich gezeichnet und fällt nicht mehr zu sehr ins Gewicht.

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Perspektive:
Wie im ersten Abschnitt bereits erläutert, sollten Tiere in den seltensten Fällen von oben fotografiert werden. Erst durch das Fotografieren auf Augenhöhe entsteht echte Nähe zum Motiv. Solange dies eingehalten wird, ist es unwichtig, ob der Hund von der Seite, von vorne oder von hinten fotografiert wird – das liegt ganz im Ermessen des Fotografen und hängt von der gewünschten Bildaussage ab.

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Üben: Produziere Ausschuss

Die letzte Empfehlung ist wie immer: Üben. Ich selbst bin hier ja noch weit entfernt von einem perfekten Bild. Also habt keine Angst davor, erstmal eine Menge Ausschuss zu produzieren. In Zeiten der digitalen Fotografie ist dies nicht mehr schlimm und man kann sich wirklich ganz auf das Üben konzentrieren.

Und: Probiert auch ruhig mal was neues aus und macht euch nicht zu Sklaven der oben genannten Empfehlungen und Regeln. Diese sollen nur eine erste Unterstützung bieten und euch nicht den Weg zu kreativen Bildern versperren.

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